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Fragen der Studierenden an die Kandidaten für das Amt des Rektors

1. Allgemeines

a) Was sind Ihre persönlichen Ziele für die nächste Legislaturperiode, wenn Sie die Wahl gewinnen?

Ich möchte ein Rektorat neuer Initiativen verwirklichen, in dem die Universität Augsburg ihre Stärken in Forschung und Lehre voll entfaltet und den Studierenden optimale Bedingungen für ihr Studium bietet.

b) Was halten Sie von dem Präsidentenmodell, das beispielsweise an der TU München praktiziert wird?

Die der Universität Augsburg bei der Gründung mitgegebene Präsidialverfassung wurde 1990 nach eingehender Diskussion in eine Rektoratsverfassung geändert. Ich halte einen neuerlichen Rückgriff auf das Präsidentenmodell für wenig ergiebig, weil ich keine Vorteile sehe, die damit verbunden wären.

c) Wie möchten Sie zur besseren Vernetzung der Universität mit dem Arbeitsmarkt beitragen? Können Sie eine personelle Verstärkung der mit dieser Aufgabe betrauten Stellen an der Universität in Aussicht stellen?

Eine bessere Vernetzung der Universität Augsburg mit dem Arbeitsmarkt läge mir als Rektor sehr am Herzen. Zu diesem Zweck würde ich die Kontakte zu den Wirtschaftsverbänden in Augsburg und Schwaben intensivieren. Ein Großteil unserer Absolventen geht in dieser Region ihr erstes Arbeitsverhältnis ein; im Gegenzug sind die Firmen der Region sicherlich interessiert, sich an der Universität etwa in Form von Jobbörsen oder ähnlichem zu präsentieren. Angesichts der zahlreichen Stellenprobleme, die in der nächsten Legislaturperiode zu meistern sind, möchte ich im Vorfeld meiner Kandidatur allerdings keine personellen Versprechungen in Aussicht stellen.

2. Studiengebühren

Bitte nehmen Sie kurz Stellung zu den verschiedenen Arten der Studiengebühren. (Langzeitstudiengebühren; z.B. TUM-Modell; Studienkonten; sozial verträgliche Studiengebühren mit ausgebautem Stipendiensystem)

Ich kann das ordnungspolitische Ziel nicht erkennen, das allgemeine Studiengebühren rechtfertigen würde. Bildung und Ausbildung sind kulturelle Errungenschaften und keine Dienstleistungen, die einfach vom Staat eingefordert und mit einer Gebühr abgegolten werden können. Das Eigeninteresse unserer hochentwickelten Industriegesellschaft diktiert als volkswirtschaftliche Notwendigkeit, der nachwachsenden Generation die Chancen für ein erstklassiges Universitätsstudium zu bieten. Wie ein junger Mensch diese ihm gebotenen Chancen wahrnimmt, sollte nicht primär durch Geld geregelt werden, sondern durch das, was im akademischen Betrieb am wichtigsten ist: Leistung.

3. Studierendenvertretung

a) Wie wollen Sie den Kontakt zwischen Hochschulleitung und Studierenden verbessern?

Einen vertrauensvollen und fruchtbaren Kontakt zwischen Hochschulleitung und Studierenden (wie auch zwischen Hochschulleitung und den anderen universitären Gruppen) garantiere ich durch vollständigen Informationsfluss, regelmäßige Aussprachen und prompte persönliche Erreichbarkeit.

b) Wie denken Sie, können die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Studierenden in der Universität erweitert werden? (z.B. viertelparitätische Gremienbesetzung)

Eine viertelparitätische Gremienbesetzung ist meines Wissens nicht möglich, da das Landeshochschulgesetz dies nicht zulässt. Ungeachtet aller paritätische Zwänge werde ich als Rektor die Studierenden wie auch die anderen universitären Gruppen uneingeschränkt unterstützen, damit gute Argumente Gehör finden und gute Ideen umgesetzt werden.

c) In Augsburg gibt es ein besonderes Modell der Studierendenvertretung, das u.a. einen Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) vorsieht. Halten Sie es für sinnvoll, dieses "Augsburger Modell" in die Grundordnung mit aufzunehmen, oder haben Sie andere Vorschläge?

Das "Augsburger Modell" mit Studentenparlament und davon gewähltem Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) ist konstruktiv und geglückt; ich werde es voll vertreten. Eine Aufnahme in die Grundordnung wäre für mich dann sinnvoll, wenn dadurch greifbare Vorteile eröffnet würden.

d) Sind Sie für oder gegen die geplante Einführung einer unabhängigeren Studierendenvertretung in Bayern? (Verfasste Studierendenschaft)

Ich habe bisher nicht wahrnehmen können, dass die Einführung einer Verfassten Studierendenschaft in Bayern geplant ist. Unabhängig davon bin ich ein entschiedener Befürworter einer demokratisch legitimierten und hochschulpolitisch engagierten Studierendenvertretung.

4. Studium

a) Wie möchten Sie allgemein mit den steigenden Studierendenzahlen umgehen? Und haben Sie evtl. Konzepte? (z.B. lokale NC)

Meiner Meinung nach sollte die Universität Augsburg alle Anstrengungen machen, die nächsten Jahrgänge auch dann aufzunehmen, wenn sie steigende Studierendenzahlen mit sich bringen. In Massenfächern wird sich wohl eine Zulassungsbeschränkung nicht vermeiden lassen. Als Rektor würde sich daraus für mich eine Verpflichtung für die Hochschulleitung ergeben, dem Gesetzgeber immer wieder unsere wachsenden Ausbildungsleistungen vor Augen zu führen und auf eine angemessene Erhöhung von Mitteln und Stellen zu drängen.

b) Im Rahmen der Profilbildung der Universität werden oft neue Studiengänge zu Lasten bestehender Studiengänge geschaffen (z.B. Medien und Kommunikation). Wie stehen Sie dazu?

Neue Studiengänge wie "Medien und Kommunikation" oder "Europäische Kulturgeschichte" oder "Diplom-Wirtschaftsjurist" oder "Financial Management and Electronic Commerce", die zeigen, dass die Universität Augsburg sich in Inhalten und Methoden den Herausforderungen der Zeit nicht nur stellt, sondern sie mitprägen will, halte ich für unabdingbar. Bisher haben wir an der Universität Augsburg allerdings im Gegenzug für neue Studiengänge keinerlei bestehenden Studiengänge eingestellt; ich glaube, dass wir diese Politik auf die Dauer nicht durchhalten können.

c) Unter welchen Umständen halten Sie die Umwidmung bestehender Stellen, etwa anlässlich von Lehrstuhl-Neubesetzungen, für sinnvoll?

Aus meiner Sicht bedarf es keiner besonderen Umstände, um die Widmung neu zu besetzender Lehrstühle oder Professuren zu prüfen; dies muss der Regelfall sein. Immer und unter allen Umständen müssen wir klar erkennen lassen, dass wir von unserer gesetzlichen Freiheit zur Selbstergänzung des akademischen Lehrkörpers, die von den im Gesetz verbrieften ministeriellen Vorbehalten im allgemeinen nur unwesentlich eingeschränkt wird, verantwortlichen und zukunftsweisenden Gebrauch machen.

d) Haben Sie Ideen, wie man die extrem asymmetrischen Betreuungsverhältnisse zwischen den Fakultäten angleichen könnte? (z.B. Physik vs. Philsoz) Wie könnte man die Situation bei den überlasteten "Massenfächern" verbessern?

Die Betreuungsverhältnisse in den Fakultäten spiegeln die Eigenheiten der Fächer wider und können nicht ohne Identitätsverlust einfach einander angeglichen werden. Zum Beispiel sind sie bei der an unserer Universtät sehr experimentell ausgerichteten Physik bestimmt durch eine begrenzte Anzahl von Laborplätzen für die Studierenden, einen hohen Drittmittelanteil mit zahlreichen damit einhergehenden Promotionsstellen und einen effizienten Interneteinsatz, der einen jederzeitigen Zugriff auf die weltweite Forschungsliteratur erlaubt. Andere Fächer prägen andere Arbeitsbedingungen. Die diskursiven, textorientierten Fächer der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät etwa kommen eben nicht nur mit anderen Inhalten daher, sondern auch mit anderen Betreuungs- und Arbeitsverhältnissen. Was nicht ausschließt, dass auch hier mit geeignetem Einsatz moderner Kommunikationstechnologie die Situation bei den überlasteten "Massenfächern" verbessert werden könnte. Gleichzeitig würde ich als Rektor Initiativen zur gesteigerten Drittmitteleinwerbung besonders in den Geisteswissenschaften vehement unterstützen.

e) Sehen Sie Möglichkeiten zur Schaffung neuer Stellen bzw. Überlaststellen in den sog. "Massenfächern"?

Um neue Stellen einzuwerben, bedarf es meines Erachtens attraktiver Projekte mit großer Ausstrahlungskraft. Vor dem Hintergrund wachsender Studierendenzahlen wird es allerdings eine kritische Belastungsgrenze geben, jenseits derer der Staat gegebenenfalls wie in früheren Jahren durch Hochschulsonderprogramme wird helfend einspringen müssen.

f) Was halten Sie von Auswahlgesprächen bzw. Auswahltests?

Auswahlgespräche und Auswahltests halte ich für vielversprechende Grundlagen, um zwischen Studierenden und Universität eine engere Bindung als bisher aufzubauen. Wenn wir als Universität die Studienanfänger mit einem Signal persönlicher Wertschätzung empfangen, dann wird diese Bindung langfristig sowohl den Studierenden wie auch der Universität Augsburg zugute kommen.

Friedrich Pukelsheim

Abgedruckt in: Universum, Zeitung der Studierendenvertretung der Universität Augburg, Mai 2003, Seite 6-7.

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