Orientierungshilfen
Diese Orientierungshilfe soll den am Mathematikstudium Interessierten als
Ratgeber zur Studienwahl dienen. Sie beschreibt unter Berücksichtigung der
Diplomprüfungsordnungen, der Lehramtsprüfungsordnung I und der
Studienordnungen für Studierende der Mathematik und der
Wirtschaftsmathematik an der Universität Augsburg Ziele, Inhalte und
Verlauf des Studiums.
Studienvoraussetzungen und Studienziele
Über die allgemeine Studierfähigkeit (Hochschulreife) hinaus bestehen keine
weiteren gesetzlichen Voraussetzungen für das Studium der Mathematik. Ein
erfolgreiches Studium der Mathematik erfordert jedoch sowohl besondere
Begabung als auch überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft für dieses
Fach. Erfahrungsgemäß bringen gerade die ersten Studiensemester, in denen
man sich die spezifische Denk- und Arbeitsweise sowie die Sprache der
Mathematiker zu eigen machen muß, für den einzelnen Studenten größere
Startschwierigkeiten. Solche anfänglichen Schwierigkeiten sollten nicht
überbewertet werden. Die tatsächliche Tragweite des mathematischen
Interesses, die wirklich vorhandene mathematische Begabung, die Fähigkeit,
eine Fragestellung hartnäckig und präzise zu durchdringen, aber auch die
Phantasie, auf ungewöhnliche und überraschende Lösungsansätze zu kommen,
lassen sich meistens erst nach zwei Fachsemestern beurteilen. Die Eignung
für das Studium der Mathematik läßt sich wohl am besten durch aktive,
engagierte, selbständige Mitarbeit in den Übungsgruppen der Anfangssemester
testen.
Spezielle - über die übliche Vorbildung hinausgehende - mathematische
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Insbesondere wird keineswegs der
Besuch eines Leistungskurses "Mathematik" in der Oberstufe des Gymnasiums
vorausgesetzt. Die in Mathematik und den Naturwissenschaften erbrachten
schulischen Leistungen sind oft ein Indiz für die Eignung zum Studium der
Mathematik, müssen es aber nicht sein.
Ein Großteil der wissenschaftlichen Literatur ist in Englisch abgefaßt.
Grundkenntnisse der englischen Sprache sind also sehr hilfreich.
Ziel aller Mathematik-Studiengänge ist es, daß sich die Studierenden das
Instrument Mathematik in Theorie und Anwendungen zu eigen machen. Die Natur
der Mathematik läßt eine Ausbildung für eine bestimmte berufliche Tätigkeit
nur in sehr begrenztem Maße zu; vielmehr geht es darum, im Studium
Kenntnisse, Methoden und Arbeitshaltungen zu erwerben, die in vielerlei
Kontext einsetzbar sind. Der Wunsch, einen bestimmten Beruf zu ergreifen,
reicht deshalb als Motivation für ein erfolgreiches Mathematikstudium nicht
aus; ein gewisses Maß an Begeisterung für das Fach selbst ist unabdingbar.
Das Aneignen von Mathematik ist ein Prozeß, der durch die Lehrenden nur
angeregt werden kann, den die Studierenden aber letztlich selbst leisten
müssen. Zu den Fähigkeiten, die durch jedes Mathematikstudium, unabhängig
von der jeweiligen Spezialisierung, ausgeprägt werden, gehören:
- die Fähigkeit, Probleme erkennen und sich zu eigen machen,
- Fragen stellen: Warum?
- Vorstellungen und Ideen entwickeln,
- Nachfragen, nachdenken, eigene Vorstellungen aufbauen, wieder nachfragen,
- Übersetzung von Vorstellungen in strenge Sprache,
- Begriffe sauber definieren,
- Kontrolliertes Denken, Kritikfähigkeit,
- Unterscheidung zwischen Verstandenem und Unverstandenem,
- Erfahrung, daß Probleme häufig nicht in direktem Anlauf lösbar sind,
- Erkennen des Umfelds eines Problems,
- Verlagerung der Problematik, Verallgemeinerung und Abstraktion als
Mittel zur Problemlösung,
- Lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden,
- Geduld und Ausdauer,
- die Fähigkeit, Mißerfolge als Ansporn und nicht als Entmutigung zu erfahren,
- Vertrauen in die eigene Kraft, Schwierigkeiten zu überwinden und zu
Lösungen zu gelangen,
- Verständliches Erklären abstrakter Sachverhalte,
- Freude an Erkenntnis, Motivation durch die Sache selbst.
Studienbeginn
Studienbeginn ist üblicherweise zum Wintersemester. Seit dem
Sommersemester 2000 ist bei uns auch ein Studienbeginn im Sommersemester
möglich. Damit soll beispielsweise Wehr- und Zivildienstleistenden
ein sofortiger Einstieg ins Studium ermöglicht werden. Das
Veranstaltungsangebot der folgenden Semester ist so gestaltet worden, daß
dieser Zeitgewinn erhalten bleibt.
Bewerbung
Bewerbungsunterlagen für einen Studienplatz in einem der
Mathematikstudiengänge können in den Monaten März sowie August und
September formlos angefordert werden bei der Studentenkanzlei der
Universität Augsburg, Universitätsstr. 2, 86135 Augsburg. Beizulegen
ist eine Kopie der Hochschulzugangsberechtigung. Studienplatzbegrenzungen
existieren nicht. Die Einschreibung (Immatrikulation) erfolgt persönlich
bei der Studentenkanzlei mit den erforderten Unterlagen während der Monate
März/April bzw. September/Oktober.
Regelstudienzeit
Die Regelstudienzeit für Bachelor-Mathematik und Bachelor-Wirtschaftsmathematik
beträgt einschliesslich der Anfertigung der Bachelorarbeit sechs Semester.
Das Master-Studium soll in der Regel nach vier Semestern (incl. Abschlußarbeit)
abgeschlossen sein.
Das Studium für das Lehramt an Gymnasien
wird mit einer Regelstudienzeit von insgesamt zehn Semestern veranschlagt.
Die Diplom-Studiengänge Mathematik und Wirtschaftsmathematik veranschlagen
neun Semester; es werden jedoch keine Studienanfänger mehr aufgenommen.
Lehrformen
Die mathematische Ausbildung erfolgt in Vorlesungen, Übungen, Proseminaren,
Seminaren, Praktika, Arbeitsgemeinschaften, durch eigene Lektüre und eigene
Forschung.
Vorlesungen
Die Grund-, Kurs- und Spezialvorlesungen dienen der Einführung in
größere Teilgebiete der Mathematik. Der Dozent vermittelt in
zusammenhängender Darstellung wissenschaftliches Grund- oder Spezialwissen
und stellt exemplarisch die zugehörigen Arbeitsverfahren und Methoden dar.
Übungen
Zum Verständnis der Vorlesungen ist eine intensive, selbständige
Auseinandersetzung mit dem Stoff erforderlich. Deshalb werden in der Regel
zu allen Grund- und Kursvorlesungen Übungen angeboten, denen insbesondere
im Grundstudium ein entscheidendes Gewicht zukommt. Es werden schriftliche
Hausaufgaben gestellt, die selbständig zu bearbeiten sind. Der Student übt
sich darin, die in der Vorlesung bereitgestellten Begriffe und Methoden
aktiv anzuwenden und mathematische Sachverhalte mit ihrer Hilfe adäquat
darzustellen. In den Übungsstunden - meist in kleinen Gruppen mit bis zu 20
Teilnehmern durchgeführt - besteht Gelegenheit, Aufgabenlösungen
vorzutragen und sachliche Probleme und Verständnisschwierigkeiten in
Zusammenhang mit dem Stoff der Vorlesung unter fachkundiger Leitung
auszudiskutieren. Die Übungen sind wesentliche Ergänzungen zur Vorlesung;
man sollte deshalb generell Vorlesungen nur bei gleichzeitiger aktiver
Teilnahme an den zugehörigen Übungen besuchen. Bei erfolgreicher
Bearbeitung der Hausaufgaben und/oder einer Klausur wird am Ende des
Semesters ein Leistungsnachweis (Übungsschein) ausgestellt. Einige dieser
Übungsscheine müssen bei der Meldung zu den Prüfungen (Vordiplom oder
Zwischenprüfung, Hauptdiplom oder Erste Staatsprüfung) vorgelegt werden.
(Siehe Abschnitt "Studieninhalte").
Proseminare
Im Proseminar wird der Studierende angehalten, selbständig ein
begrenztes mathematisches Thema zu erarbeiten, darzustellen und in einem
etwa 90minütigen Referat vorzutragen. Dabei werden gleichermaßen die
erworbenen methodischen Kenntnisse vertieft und die Fähigkeit zur
Darstellung und Weitervermittlung mathematischer Sachverhalte geübt.
Praktika
In den mathematischen Praktika werden - in der Regel unter
Benutzung von Computersystemen - umfangreichere Aufgabenstellungen
insbesondere der numerischen Mathematik, der praktischen Statistik oder der
Informatik (lineare Gleichungssysteme, Integrationsprobleme,
Nullstellenbestimmung, statistische Tests, Regressionsanalysen,
Simulationen, etc.) behandelt.
Betriebliches Praktikum
Nach dem Grundstudium ist ein mindestens zweimonatiges
betriebliches Praktikum (insbesondere in Industrie, Wirtschaft, Verwaltung)
vorgeschrieben. Häufig ergeben sich über solche ersten berufspraktischen
Tätigkeiten schon frühzeitig wertvolle Kontakte zu Firmen und Behörden, die
nicht selten vorbestimmend sind für das Angebot und die Wahl des ersten
qualifizierten Arbeitsplatzes nach dem Diplomexamen.
Schulpraktika
Alle Studierenden des Lehramtes an Gymnasien haben neben dem
Blockpraktikum auch ein studienbegleitendes fachdidaktisches Praktikum in
einem der gewählten Unterrichtsfächer abzuleisten. Dieses findet innerhalb
eines Semesters einmal jede Woche an einer Praktikumsschule statt und
umfaßt vier Stunden Unterricht einschließlich Besprechung; außerdem ist
eine zugehörige fachdidaktische Begleitveranstaltung an der Hochschule zu
besuchen. Nach einer Periode der Unterrichtsbeobachtung sollen die
Studierenden eigene Unterrichtsplanung betreiben und auch erste
Unterrichtsversuche durchführen. Durch diese schulpraktischen Studien
sollen die Studierenden ihr zukünftiges Berufsfeld und dessen
Anforderungen kennenlernen, ihre Eignung für diesen Beruf erproben und ein
Problembewußtsein für ihr weiteres Studium entwickeln.
Seminare
In den Seminaren - Teilnahme im Hauptstudium ab dem 5. Semester -
werden Spezialgebiete der Mathematik behandelt. Dies geschieht in der Regel
aufbauend auf Kurs- oder Spezialvorlesungen anhand von Originalliteratur.
Die Erarbeitung erfordert meist spezielle Vorkenntnisse und die
selbständige Ausarbeitung von im zugrundeliegenden Material nur skizzierten
Beweisschritten. In der Regel referiert jeder Teilnehmer über das von ihm
erarbeitete Thema. Anschließend findet eine gemeinsame Diskussion über den
mathematischen Inhalt und seine Anwendungen statt. Die erfolgreiche
Teilnahme an zwei Seminaren (bzw. einem Seminar) ist Voraussetzung für die
Anmeldung zur Diplomprüfung (Ersten Staatsprüfung).
Diplomandenseminar
Diplomandenseminare erfordern ähnlich wie Seminare besondere aktive
Mitarbeit der Teilnehmer. Sie dienen der Erarbeitung mathematischer
Theorien, sie weisen Studenten in die Problemkreise ihrer Diplomarbeit ein
und dienen der Förderung von Mitarbeitern und Doktoranden.
Diplomarbeit
Die Diplomarbeit, eine unter Anleitung eines Hochschullehrers
anzufertigende schriftliche Abschlußarbeit, stellt einen ganz wesentlichen
Studienschwerpunkt dar. Mit ihr soll der Studierende zeigen, daß er eine
nicht zu eng gewählte mathematische Aufgabenstellung nach
wissenschaftlichen Methoden selbständig bearbeiten und in angemessener Form
darstellen kann. Das Thema kann zum Beispiel so gestellt sein, daß mit
bekannten Methoden neue Beispiele und Anwendungen behandelt werden. Es kann
aber auch sein, daß im Rahmen der Diplomarbeit für bekannte Ergebnisse neue
kürzere Beweise zu erarbeiten sind oder ein nur skizzierter Beweis in
Einzelheiten auszuführen ist.
Die Anfertigung der Diplomarbeit ist zwar formal ein Teil
der Prüfung, in erster Linie ist sie jedoch ein wesentlicher Teil des
Studiums. Die Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten wird
bei der Anfertigung der Arbeit nicht nur getestet, sondern vor allem erst
einmal erworben. Daher ist mit konkreten Vorarbeiten zur Diplomarbeit
zweckmäßigerweise zwei, spätestens drei Semester nach der Diplomvorprüfung
zu beginnen. Das geschieht in der Regel durch Teilnahme an einer dafür
vorgesehenen Spezialvorlesung oder an einem Seminar.
In der Prüfungsordnung ist zwar die Möglichkeit
offengehalten, die Diplomarbeit erst nach den mündlichen Prüfungen zu
schreiben, jedoch sollte dies nur im Ausnahmefall geschehen. Denn gerade
das Anfertigen einer Diplomarbeit trägt erheblich zum mathematischen
Reifeprozeß bei und vergrößert somit die Erfolgsaussichten bei
Diplomprüfungen.
Der Student sollte sich frühzeitig im Hauptstudium über
mögliche Spezialisierungsgebiete für die Diplomarbeit informieren und sich
über den entsprechenden weiteren Aufbau des Hauptstudiums beraten
lassen.
Schriftliche Hausarbeit für die Erste Staatsprüfung
Wer die Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien ablegen
will, hat in einem vertieft studierten Fach eine schriftliche Hausarbeit
anzufertigen. Dies geschieht unter Anleitung eines Hochschullehrers oder
einer Hochschullehrerin.
Das Thema sollen sich die Bewerber spätestens ein Jahr vor der
Meldung zur Prüfung geben lassen. Wie in der Diplomarbeit sollen auch hier
die Studierenden zeigen, daß sie eine nicht zu eng gewählte
Aufgabenstellung nach wissenschaftlichen Methoden selbständig bearbeiten
und in angemessener Form darstellen können.
Der erfolgreiche Abschluß der Hausarbeit gehört zu den
Zulassungsvoraussetzungen für die Erste Staatsprüfung. Als Ersatz für die
schriftliche Hausarbeit kann eine unter geeigneten Bedingungen angefertigte
Doktorarbeit, Diplomarbeit oder Magisterarbeit angenommen werden.
Exkursionen
Eine Exkursion besteht aus einem Besuch eines Industriebetriebs,
einer Behörde oder eines Forschungsinstituts mit dem Ziel, Einblicke in die
Berufspraxis dort tätiger Mathematiker und in die relevanten
Anwendungsprobleme zu gewinnen.
Fachdidaktische Lehrveranstaltungen
Für die fachdidaktischen Vorlesungen, Übungen und Seminare gelten
sinngemäß dieselben Merkmale wie für die entsprechenden mathematischen
Lehrveranstaltungen.
Weitere Fragen?
Für weiterführende oder spezielle Fragen sei zunächst auf die
FAQ's (
Frequently
Aasked
Questions)
hingewiesen. Darüber hinaus gehende
oder noch speziellere Fragen beantwortet der jeweilige
Fachstudienberater.